Kinderbauernhof Neuss

Fridolin der 43.
Uff, das war ein langer Fußmarsch. Jan und Anne sind entlang der Erft gewandert und wünschen sich eine Ruhepause. „Guck mal, da ist ein Weidentipi“, ruft Anne ganz erfreut. „Lass uns dort ein Picknick machen.“ Jan schlüpft in das Laubhaus. Hier schmeckt das Brot doppelt so gut. Das findet wohl auch ein Hahn, der gerade des Weges daherkommt und nach der Stulle schielt. Er pickt Jan auffordernd in den Schuh.

„He du Gockel, mach dich vom Acker oder du kommst in die Suppe,“ ruft Jan empört. Der Hahn guckt beleidigt: „Ich bin kein Gockel, sondern Fridolin der 43., ein Nachfahre des berühmten Fridolin dem Großen. Ein bisschen mehr Respekt, wenn ich bitten darf. Und zur Suppe kann ich euch eine Geschichte erzählen ...“ Anne wird neugierig und streut dem Hahn ein paar Krümel hin: „Bitte Herr Hahn, erzählen Sie.“ Der Hahn plustert sein Gefieder auf und sein Kamm schwillt noch roter an, als er ohnehin schon ist. „Es war im Jahre 1886 als meinem Ur-Ur- Ur-Ur- Ur- Ur ...“ „lass die vielen Ur’s weg und fang endlich an“ sagt Jan genervt... „als meinem Ur-Großvater Fridolin eine besondere Rolle vorgesehen war,“ gackert der Hahn.

Vom Suppenhuhn zum Helden
„Bauerfamilie Meier hatte Gäste geladen. Sohn Karl wollte sich mit Agnes vom Nachbarhof verloben. Als Vorspeise zum Festessen war eine Hühnersuppe geplant. Ur-Großvater Fridolin sollte darin die Hauptfigur sein.

Fridolin nutzte die Chance, sprang vom Schlachtbock und flog durch das Fenster in die Küchenstube, wo Bäuerin Meier gerade im Gemüsetopf rührte. „Unsere Suppeneinlage flüchtet“, schrie sie entsetzt und rannte ihm hinterher. Magd Erna schrubbte gerade die Wäsche in der Bütte. Sie ließ sofort das Waschbrett fallen und rannte Fridolin ebenfalls hinterher. Fridolin stürmte weiter und wäre fast auf dem Krauthobel gelandet, mit dem der Bauer Meier den Weißkohl hobelte. Über Sackwaage, Schälmaschine und die anderen Gerätschaften rannte Ur-Großvater die Treppe hinauf. Bauer, Bäuerin, Knecht und Magd waren ihm dicht auf den Fersen. Eine wilde Verfolgungsjagd durch das Haus begann... Im Obergeschoss fand Fridolin eine geöffnete Tür . Sie führte zur Gesindestube. Gibt es denn hier kein offenes Fenster, durch das ich flüchten kann, dachte er ängstlich? Auf dem Bett lag ein frisch gestärktes Nachthemd. Ur-Großvater Fridolin sprang darauf. Huch, waren seine Spuren darauf zu sehen...? Und welch ein Glück, hier hatte jemand das Fenster zum Lüften geöffnet. Mit lautem Gackgack und wildem Flügelschlag konnte Ur-Großvater flüchten

Er landete direkt bei Ziegenbock „Alfred“ im Gehege. Der meckerte nur: „Hau ab du Federvieh“. Ur-Großvater flog in einem riesigen Bogen über das Bauernhofgelände, über die Schafskoppel, über den Teich, die Gänsewiese, rüber zu den Pferdekoppeln. Bauer, Bäuerin, Magd und Knecht streckten die Köpfe aus dem Fenster und schauten ihm nach. „So ein Mist, der ist fort“ fluchte Bauer Meier.

„Mist“ schrie es plötzlich laut über den Hof. Sohn Karl rannte aufgeregt hin und her. „Die Verlobungsringe sind weg. Eben waren sie noch in der Tasche...“ Bäuerin Meier wurde ganz bleich: „Wo hattest du sie denn zuletzt?“ Keine Ahnung, jammert Sohn Karl. Ein Unglück kommt selten allein, klagte die Magd Erna verdrießlich...“
Welch ein Glück für Ur-Großvater. Jetzt waren alle erstmal mit der Suche nach den Verlobungsringen beschäftigt. Der Suppenhahn war fürs Erste vergessen. Ur-Großvater setzte sich erschöpft ins Stroh und atmete tief durch. Was für eine Aufregung. Da hatte er aber leider die Rechnung ohne Knecht Gustav gemacht.

Der schlich sich nämlich von hinten wieder an. Fridolin sah ihn aus dem Augenwinkel kommen und flüchtete kreischend unter das Stroh. Doch diesmal war der Knecht schneller. Er packte Ur-Großvater am Fuß. Der flatterte dabei so heftig, dass das Stroh rundherum wegflog. Und was kam da zum Vorschein? Das Kästchen mit den Verlobungsringen. Sohn Gustav hatte es verloren, als er die Haflinger zum Aufschirren aus der Box geholt hat. Ohne Ur-Großvater Fridolin wäre die Verlobung beinahe ins Wasser gefallen. Doch jetzt war Ur-Großvater der Held des Bauernhofes. Zum Dank durfte er sein Leben lang auf dem Misthaufen krähen.

„Ach komm, das hast du dir doch ausgedacht“, sagt Jan schmunzelnd. „Wenn ihr mir nicht glaubt, dann kommt doch mit auf den Kinderbauernhof, da könnt ihr noch das Nachthemd von Magd Erna sehen“, gackert Fridolin der 43. frech. Und alle drei laufen los...

Kinderbauernhof der Stadt Neuss
Nixhütter Weg 141
41466 Neuss
www.kinderbauernhof-neuss.de