Geologischer Dienst NRW

Das Wackelbett
Jan reibt sich die Augen. „Na, schlecht geschlafen?“, fragt Anne. „Hast Du denn das Erdbeben heute Nacht nicht mitbekommen?“, meint Jan. „Ach Quatsch, hier gibt es keine Erdbeben.“ „Doch!“, sagt Jan eifrig, „erst hab ich ein tiefes Grollen gehört und dann hat mein Bett gewackelt ...“ Anne verdreht die Augen. Männer und ihre Angebergeschichten. Jan ist beleidigt, dass Anne ihm nicht glaubt. „Weißt Du was“, schlägt er vor, „lass uns zum Geologischen Dienst nach Krefeld fahren, die erforschen Erdbeben.“

Der Wal von Kervenheim
Als Jan und Anne das Foyer betreten, fällt ihr Blick auf ein riesiges Skelett. Es ist etwa 6,5 m lang und liegt in weichem Sand. „Das ist der Wal Kervi“, sagt ein freundlicher Mann, „er wurde 1987 in einer Kiesgrube bei Kervenheim gefunden. 10 Millionen Jahre ist er alt. Wenn ihr genau hinschaut, könnt ihr seine Lebensgeschichte entdecken ...“ Der Mann zwinkert beiden zu und verabschiedet sich. „Der sah aus wie ein Forscher, vielleicht ist er ja ein Erdbebenforscher?“, meint Jan. Anne nickt. „Aber lass uns erstmal herausfinden, welche Geschichte hinter Kervi steckt“, schlägt Anne vor.

Die beiden setzen sich und suchen aufgeregt nach Hinweisen.

Kervi und das Kranboot
Plötzlich zuckt es in dem Skelett. Jan traut seinen Augen nicht. Langsam, ganz langsam bewegen sich die alten Knochen. Eine dunkle Haut zieht sich über den Körper. Der Wal liegt auf dem Bauch am Strand. Wasser umspült seine Flossen. Kervi hebt den Kopf und ruft: „Helft mir! Alleine schaffe ich es nicht zurück ins tiefe Meer!“ Jan schaut irritiert. Was macht das Meer in Krefeld und wieso lebt Kervi plötzlich? Egal. „Lass uns ein Kranboot besorgen“, ruft er Anne aufgeregt zu, „das kann Kervi zurück ins Meer ziehen.“

Anne schaut sich um und sagt ernst: „Jan, ich fürchte, wir sind im Tertiär gelandet, da gibt es keine Kranboote.”

Trilobiten, Riesenlibellen und Schuppenbäume
„Tertiär, so ein Meer kenn ich nicht“, sagt Jan. „Tertiär ist kein Meer, sondern ein Zeitabschnitt in der Erdgeschichte“, sagt Anne. „Kambrium, Ordovizium, Trias, Jura, Kreide ... noch nie davon gehört? Du hättest in Erdkunde besser aufpassen sollen!“ – „Ach Quatsch“, sagt Jan und lässt den Blick ungläubig schweifen. Und tatsächlich krabbeln und fliegen Tiere um ihn herum, die er noch nie zuvor gesehen hat. Ob Anne doch recht hat? „Schau“, sagt Anne, „hier ist ein Trilobit.“ Sie zeigt auf ein asselartiges, urtümliches Wesen. Eine Riesenlibelle knattert laut über Schuppenbäume hinweg. Was für eine unglaubliche Welt. „Nur eines ist komisch“, sagt Anne nachdenklich, „all die Pflanzen, Tiere und der Wal Kervi stammen aus verschiedenen Erdzeitaltern ...“

Das Rätsel der Haizähne
Jan hingegen ist begeistert. Da kann er in der Schule was erzählen. Er zuckt zusammen. Ist da wieder ein Erdbeben? Aber nein, es ist nur Anne, die ihn anschubst. „Wach auf, Du Schlafmütze!“ Jan war tatsächlich eingenickt und hatte geträumt. Das Walskelett liegt in seiner Vitrine und rührt sich nicht. „Jetzt kenne ich die Geschichte von Kervi“, tönt Anne stolz. „Ich auch“, sagt Jan noch ganz verschlafen, „der ist im Tertiär gestrandet und wir wollten ihm mit einem Kranboot helfen.“ Anne lacht: „Dann kannst Du mir sicher auch erklären, woher die Haifischzähne kommen ...“ Ups, Haifischzähne kamen in seinem Traum nicht vor ... „Nun gut“, schlägt Jan Anne vor: „Erzähl Du mir Deine Wal- und Haifischgeschichte und dann erforschen wir endlich mein Erdbeben ...“

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